Es ist endlich wieder soweit. Die jährliche schwere Klettersteigtour mit Christian. Diesmal ziehen wir es aber ganz anders auf. Wollten eigentlich auf der Coburger Hütte schlafen, aber die ist eine Woche vorher schon voll! Aber das hält mich ja nun kaum auf, Fjällräven-gehärtet wie ich bin ;) Also Ausrüstung verpackt und das Hogan an den Rucksack!
Gegen 17 Uhr marschieren wir in Ehrwald ab, das Wetter ist ziemlich mies und der gute Christian ist vorbereitet, als würden wir ne Halbtagestour am Tegernsee machen ...
Die Regenschauer lassen uns eine ganze Weile keine Ruhe, aber irgendwann entsteigen wir dem Nebel.
Nach anderthalb Stunden haben wir den ersten Steig geschafft und kommen am Seebensee an, wo das Basecamp sein soll. Wir suchen recht lange am unwegsamen Westufer, bis wir endlich eine wunderbare Stelle direkt am See finden, auf 1660m. Es dämmert schon, aber ich bin ja erfahren im Zeltbau ;)
Wir gehen jetzt gleich zu Coburger Hütte rauf, was etwa 45 Minuten dauert. Dort ist die Bude wirklich voll, jede Menge junge Leute da. Und urgemütlich. Man staunt nicht schlecht, dass wir draußen schlafen und gibt uns gleich noch Bier und Spaghetti. So schön warm hier drin, werde gleich furchtbar entspannt und müde. 22 Uhr stapfen wir mit Stirnlampe wieder raus in die Kälte und zum Zelt runter. Der Himmel ist mittlerweile klar und wir sitzen noch über eine Stunde vorm Zelt, mit dem hochgeschleppten Bier. Vollkommen ruhig und trotzdem spektakulär hier oben. Ab und zu geht auf der Coburger das Licht an ... und die Venus geht über der Mieminger Kette auf! Sieht kurz vorher aus, als würde der Mond kommen, so hell ist das.
Am Sonntag 6 Uhr geht dann die wirkliche Plackerei los. Wir sind die ersten am Tajasteig, wenn man von den beiden absieht, die nach 10 Metern umdrehen. Das ist mal was ganz Neues, allein hier zu sein. Wir kämpfen uns nach oben, trotzdem sind wir weit davon entfernt, dass es Routine ist. Nur das Fluchen ist konstant ;) Der Genuss steht trotzdem jedes Jahr etwas mehr im Vordergrund. Das eigentliche Klettern klappt auch immer besser, brauch seltener das Seil zum Ziehen.
Nach 3:15 h sind wir endlich auf dem Vorderen Tajakopf (2450m). Uns hat nur einer überholt, aber Vollidioten zählen nicht. Christian hing gerade in der Querung kurz vorm Gipfel, wo das Seil so weit rausschwingt und der Trottel geht auch mit in den Abschnitt und hängt direkt 10 cm hinter ihm. Kommt ziemlich ins Rudern. Ich wäre stehen geblieben, hätte den ein bisschen angeschrieen, bis er zurück geht.
Der Abstieg ist wie immer anstrengend, aber nicht zu schwer und wir stoppen natürlich am Drachensee (1860m), der immer ein schönes Erfrischungs-Bad bietet. Dann gehen wir wieder zu Coburger Hütte, lassen es mit Bier und einer Stunde schlafen in der Sonne ausklingen.
Weiter unten packen wir dann das Zelt ein, gehen zum dritten Mal baden und halb 5 sind wir wieder am Auto. Total erledigt! Mir ist total unklar, wie wir das früher ohne Übernachtung geschafft haben :)
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